Das eigene Lebenshaus auf festen Grund bauen

Predigt zu Mt 7,24-27, 9. So. n. Tr. 2021

 

Liebe Gemeinde!

Der Predigttext für den heutigen Sonntag findet sich im Matthäusevangelium im 7. Kapitel. Es ist der letzte Abschnitt der Bergpredigt, sozusagen das Ziel der Bergpredigt. Diese Bergpredigt enthält viele Worte, Gleichnisse und Reden Jesu, die Matthäus zusammenfasst und mit den Worten beginnen lässt: Und Jesus stiegt auf einen Berg und lehrte seine Jünger – deshalb der spätere Name „Bergpredigt“. Und sicher ist Jesus oft auf einen Berg oder zumindest einen kleinen Hügel gestiegen, um von dort aus zu vielen Menschen gut hörbar sprechen zu können.

lesen Matthäus 7,24-27

Wir haben wahrscheinlich die Bilder der letzten Wochen im Kopf, wo Häuser weggerissen wurden von den Wasserfluten und ganze Stadtteile unter Wasser standen. Ich fürchte, dass auch Häuser betroffen waren, die durchaus auf festem Grund standen und ein gutes Fundament hatten – aber erst recht hat es natürlich Häuser erwischt, die kein festes Fundament hatten. Wenn ich drüber nachdenke, wie unser 500 Jahre altes Gemeindehaus einfach nur im Dreck steht – ohne Fundament… Ich bin froh, dass wir es bei der Renovierung nicht nur mit einem besonderen Lehmschlag gesichert haben, sondern auch noch zusätzlich eine Drainage eingebaut haben.
Denn wir müssen wohl oder übel auch bei uns in Deutschland wieder lernen, mehr auf mögliche Naturkatastrophen zu achten – gerade auch beim Bauen. Wir müssen den Bächen und Flüssen wieder mehr Platz lassen, nach Unwettern über die Ufer zu treten. Auenwäldern, die viel Feuchtigkeit aufnehmen können, und anderen Überschwemmungsflächen werden in letzter Zeit deshalb wieder mehr Platz zugestanden, z.B. an der Iller, und das ist gut so. Jahrzehntelang wurden sie zurückgedrängt.
Auch Häuslesbauer müssen noch mehr als bisher überlegen, wo und wie sie bauen. Auch kleine Bäche können große Wasserfluten bringen. Aber auch Bäume können in Stürmen entwurzelt werden und Gebäude, Autos und Menschen gefährden. Und in heißen und trockenen Jahren sind der Sonnenschutz und das intelligente Bauen mit nicht zu großen Fensterflächen wichtig.

In der Welt, in der Jesus lebte, waren solche Dinge auch wichtig. Sandig-lehmige und andererseits felsige Böden gibt es in Israel-Palästina beide. Und selbst in den ganz trockenen Gegenden der judäischen Wüste z.B. kann es mal zu starken Regenfällen kommen, in denen dann trockene Wadis plötzlich große Wasserfluten bringen. Man sagt, dass die Gefahr, in der Wüste zu ertrinken größer ist als zu verdursten. Auf wenig Wasser ist der Wüstenreisende eingestellt, aber auf plötzliche Fluten, die von einem hundert Kilometer weit entfernten Niederschlagsgebiet herrühren können, nicht.
Es macht also in trockenen Gegenden nicht nur Sinn, das Haus auf festen Boden zu gründen, sondern auch zu überlegen, wo im Falle eines Falles große Wassermengen abfließen würden, auch wenn das nur alle paar Jahre oder gar Jahrzehnte passiert.

Jesus nun gebraucht dieses Bild vom Hausbau und dem festen Fundament natürlich als Bild für etwas Geistliches. Er baut mit diesem Bild ein Gleichnis. Das Fundament steht für den Glauben an Jesus und an seine Botschaft. Das Gleichnis ist radikal: Ein Haus ohne Fundament ist Dummheit und hat keine Zukunft. Und deshalb, sagt Jesus, ist ein Leben ohne Glauben ebenso töricht und hat keine Zukunft.

Die gesamte Bergpredigt zeichnet sich dadurch aus, dass Jesus sehr radikale und klare Bilder und Beispiele wählt:
Christen sind Salz und Licht – wenn sie es nicht sind, sind sie zu nichts nütze. Christen lieben ihre Feinde – sie verzichten auf Vergeltung. Christen finden kreative Lösungen bei Konflikten und steigen aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt aus. Sehr klare Ansagen macht Jesus da.
Und zuletzt, sozusagen als Zielpunkt der gesamten Bergpredigt, stellt Matthäus dieses Gleichnis vom Hausbau.

Jesus betont darin: Christen bauen ihr Lebenshaus auf festem Grund: So haben sie einen Schutz vor den Stürmen des Lebens, so haben sie Halt auch in der Krise, wenn ihnen das Wasser bis zum Halse stehen sollte.
Christen, die in ihrem Glauben einen festen Halt haben, werden nicht weniger krank als Nichtchristen. Aber sie können mit ihren Krankheiten besser klarkommen, sie können beten, sie können auf die Hilfe Gottes vertrauen, sie können sich auch in ihren Schmerzen getragen fühlen von der Liebe Gottes – und das hilft ihnen in ihrer Krankheit und schließlich beim Gesundwerden oder wenn es sein muss, auch friedlicher zu sterben.

Wie nun kommen wir aber zu solche einem fest gegründeten Glauben, wie Jesus ihn sich für uns wünscht?
Letztlich ist der Glaube immer ein Geschenk Gottes. Wir können Glauben nicht „machen“, nicht kaufen oder gar uns verdienen. Wir können nur „ja“ dazu sagen, wenn wir ihn in uns spüren.

Was wir aber können, ist, das Leben im Glauben zu üben. Das geht tatsächlich: Indem wir uns mit unserem Glauben beschäftigen, indem wir ihn ausüben, z.B. beim Gottesdienstbesuch oder wenn wir in der Bibel lesen oder beim „Wort zum Sonntag“ im Fernsehen aufmerksam zuhören oder schlicht selbst regelmäßig beten und nicht nur in der Notsituation.

Als Einstiegsgeschenk Gottes für den Glauben haben wir die Taufe. Mit ihr legt Gott in jedem Menschen so etwas wie ein Glaubensfundament. Ich bin froh, dass nach dem letzten schwierigen Corona-Jahr in diesem Jahr die Taufzahlen in unserer Gemeinde wieder rapide steigen. 
Die Taufe ist das Fundament für den Glauben. Das, was darauf gebaut wird, liegt aber weitgehend in unserer Verantwortung. Bei Kindern sind da erstmal die Eltern und Paten zuständig, doch immer mehr auch die Kinder selbst.
Das gute Fundament ist in der Taufe gelegt, der Glaube ein Geschenk - das Glaubenshaus aber zu pflegen und instand zu halten, ist unsere eigene Aufgabe.

Nicht immer fällt das leicht – schon klar. Aber immer wieder gibt es im Leben Zeiten, in den es leichter fällt, den Glauben auszuüben, zu beten oder mal in den Gottesdienst zu kommen. Diese Zeiten gilt es zu nutzen. Also nicht erst in die Kirche kommen, wenn es mir schlecht geht, sondern dann, wenn ich glücklich und dankbar bin und mich am Leben freuen kann, dann hab ich sozusagen Proviant für die schwierigen Zeiten – dann ist mein Glaubenshaus gerüstet für das große Unwetter, wenn es einmal über mich kommen sollte.

Heute soll es nachher das Angebot zur persönlichen Segnung geben. Auch da ist es so: Einen Segen sich zusprechen lassen – das geht immer, zu allen Zeiten. Denn vom Segen Gottes leben wir immer – in guten und in schweren Tagen oder um es noch einmal im Bild von Jesus zu sagen: Den Segen Gottes können wir sowohl bei Schönwetter als auch bei Unwetter brauchen. Wenn wir ihn uns in einer guten Lebenssituation zusprechen lassen, dann werden wir die schwierige, die vielleicht einmal kommen wird, besser überstehen.

Amen.